Im Jahr 2017 habe ich meine Großmutter väterlicherseits, namens Margit (Margareta), interviewt über ihre damaligen Erfahrungen von der Vertreibung aus der Tschechoslowakei nach Deutschland, da ich damals im ersten Ausbildungsjahr der Sozialassistentsausbildung war und wir für das Fach Anthropologie eine Biografiearbeit verfassen mussten. Als sie damals nach Deutschland kam, war sie gerade einmal drei Jahre alt und mein Großvater sechs Jahre alt. Jedoch habe ich meinen Großvater dazu nicht interviewt gehabt.
Zu der damaligen Aufgabe die Biografiearbeit zu schreiben, sollten wir die Antworten auch transkribieren, dass heißt genau so verfassen, wie der Interviewpartner die Worte gesagt hat.
Wer gerne möchte, kann sich das ganze Interview durchlesen. Für alle anderen werde ich die Antworten zu den jeweiligen Fragen zusammenfassen.
Hier vorab schon einmal die Fragen welche meine Großmutter beantwortet hat:
Vergangenheit
1. Weswegen seid ihr aus der Tschechoslowakei vertrieben worden?
2. Wie lief die Flucht ab?
3. Wer war dabei?
4. Wie war damals die Zeit?
5. Wie haben sich die Leute drumherum verhalten?
Gegenwart
1. Denkst du heutzutage manchmal an diese Zeit zurück?
2. Würdest du heutzutage nochmal in dieses Land gehen bzw. zur Heimatstadt?
3. Wie findest du das Leben innerhalb Deutschland?
4. Was hast du aus der damaligen Zeit für heute gelernt?
Zukunft
1. Wie stellst du dir deine Zukunft vor?
2. Was für Erfahrungen nimmst du in die Zukunft mit?
3. Denkst du, ob es nochmal einen neuen Krieg geben wird in der Zukunft und warum?
4. Hast du noch Ziele für die Zukunft?
Die Bilder zu den jeweiligen Orten, welche in dem Interview vorkamen, findet ihr unterhalb der Zusammenfassung.
Zusammenfassung:
Weswegen seid ihr aus der Tschechoslowakei vertrieben worden? Wie lief die Flucht ab? Wer war dabei?
(Meine Oma hat bei Mühlessen, bei Egers (früher Cheb) gewohnt. Mein Opa wurde woanders vertrieben.)
Wir mussten raus, da die Tschechen kamen und sie haben den Bauernhof übernommen. Das ist morgens passiert, meine Mutter konnte noch die Kühe melken und das Vieh versorgen und dann mussten wir weg. Wir sind dann in ein Sammellager gekommen und danach wurden wir in Zugwaggons rein getrieben. Wir wussten gar nicht wohin es ging und was damals mit uns passiert. Wir waren mit acht Familien in so einem Waggon, wir kannten uns untereinander nicht und mussten daher auf unser Hab und Gut aufpassen, damit nichts verschwindet. Wir sind nach Frankfurt an der Oder gefahren und alle vier/fünf Stunden hielt der Zug mal kurz an, so dass wir unser Geschäft verrichten konnten, Männer links, Frauen rechts. Als wir am Bahnhof ankamen, bekamen wir eine Suppe (Wassersuppe) mit einem Stück trockenen Brot in den eigenen Becher etc. Als wir in Frankfurt a. O waren, wussten wir nicht wo wir waren. Dort sind wir wieder in einen Zug eingestiegen bis wir in das Lager in Weilmünster kamen. In Weilmünster sind die Menschen dann in das nächste Dorf ausgeschwärmt, entweder Ernsthausen, Laimbach oder Bermbach. Wir sind nach Bermbach in eine Baracke gekommen, in der es keine Fenster gab, in der Nähe vom Wald. Später wurden wir dann zu den Bauern aufgeteilt. Wir kamen zu Lena und Heinrich Hat, sie waren sehr gute Menschen. Lena wurde in Laimbach beerdigt und Heinrich hier in Bermbach. Heinrich war auch im Krieg und seine Ohren waren verfroren. Daher wusste er wie es für uns war, da es im Zug gefroren hat und essen gab es erst in der Wirtschaft. Bei den Bauern mussten wir arbeiten. Nach dem ich in der Schule war, bin ich zur Lena, sie hatte schon gekocht und wir haben dann gegessen. Danach sind wir aufs Feld und haben Kartoffeln ausgemacht bzw. je nach Zeit gelesen. Damals war ich 10/11 Jahre alt.
Der Opa ist zur Grube gegangen. Als die Bauern geschlachtet haben, haben wir Wurst bekommen, als es Winter war bekamen wir Kartoffeln, Getreide für Mehl. Sie haben uns sehr unterstützt. Außerdem haben wir auf einem Feld ein kleines Stück bekommen, wo wir Kraut, Möhren etc. pflanzen konnten. Später gab es sogenannte Flüchtlingsgärten, dort mussten wir aufpassen da die Einheimischen dort die Pflanzen rausgerupft haben.
Danach haben meine Eltern angefangen das Haus zu bauen (Gartenstr. 6) und auch einen Schweinestall. Im Jahr 1956 sind wir dann dort eingezogen.
Wie war damals die Zeit?
Die Zeit war sehr schlecht, da es kein Geld gab. Pullover und Zeug wurde selbst aus eigener gesponnenen Schafs-wolle gemacht. Die Kleider wurden immer weiter gegeben, bis sie letztendlich nicht mehr zum anziehen geeignet waren. Zur Schule bin ich mit einem Jutebeutel gegangen und einer Schiefer, keine Schiefertafel. Mein Vater hat durch die Schiefertafel ein Loch gebohrt und hat dort einen kleinen Teil von einem Schwamm mithilfe einer Schnurr befestigt und eine Art Topflappen zum trocken reiben. Bevor es Bleistifte (mit weißer Miene) gab, hat mein Vater aus abgebrochenen Schiefertafel stücken Stifte gemacht.
Wie haben sich die Leute drumherum verhalten?
Als wir nach Bermbach kamen, haben die Leute gesagt „die Zigeuner kommen“. Sie wussten es aber nicht besser, da die meisten noch nicht in Laimbach waren. Bermbach hatte weniger Einwohner als Laimbach. Bei der heutigen Bushaltestelle befand sich ein Bauernhof, welcher jetzt ausgesiedelt ist (Aussiedlerhof). Dort musste dein Großvater hin zum essen, doch er wurde immer erst dann gerufen, als alle anderen schon gegessen waren und so war nichts mehr für ihn da. Dann ging er mit hungrigem Magen nach Hause. Bei uns bei Hat’s wurde immer darauf geachtet, dass wir etwas zu essen haben.
Denkst du heutzutage manchmal an diese Zeit zurück?
Ja, wenn ich mir die Bilder durchschaue. Wir hatten noch Verwandtschaft in der Tschechoslowakei und wir waren zwei Mal dort. Einmal alleine und das zweite Mal mit der Oma. Dort gab es keine Häuser mehr und der Friedhof bestand nur aus einer Mauer aus Steinen, Kies und Holzdingern. Die Gräber von der Schwester meines Opas und deren Mann befanden sich dort. In der Leichenhalle wurde gegrillt und die Gräber waren verwildert, außer bei denen wo jemand zu besuch war. Als wir an unserem alten Haus vorbei gegangen sind, haben die Leute schnell die Vorgänge zu gezogen, aus Angst das wir es wieder haben wollen.
Würdest du heutzutage nochmal in dieses Land gehen bzw. zur Heimatstadt?
Nein mit Sicherheit nicht, da es dort keine Arbeit mehr gibt. Als Besuch ja, wir waren ja schon zweimal dort.
Wie findest du das Leben innerhalb Deutschland?
Normal, besser als damals. Jetzt sind wir Rentner und müssen erstmal abwarten wie es euch geht.
Was hast du aus der damaligen Zeit für heute gelernt?
Sparsam zu sein und das zu ehren, was man sich erarbeitet hat.
Wie stellst du dir deine Zukunft vor?
Gesund zu bleiben.
Was für Erfahrungen nimmst du in die Zukunft mit?
Das was man geschaffen hat und das auch so zu erhalten wie es ist.
Denkst du, ob es nochmal einen neuen Krieg geben wird in der Zukunft und warum?
Wir brauchen keinen neuen Krieg mehr. Wenn wir Trump behalten und es hier nach Deutschland zieht, wäre es schlecht.
Hast du noch Ziele für die Zukunft?
Das wir Gesund bleiben und noch Reisen können.
Hier findest du das gesamte Interview zum durchlesen:
Jacqueline: Weswegen seid ihr aus der Tschechoslowakei vertrieben worden?
Margit: Ja (ehm) wir mussten da raus, weil die Tschechen kamen und die haben dann den Bauernhof (eh) übernommen gell und das ging Morgens, wir konnten, also die Oma [ihre Mutter] konnte noch die Kühe melken und das Vieh versorgen und dann mussten wir weg. Und dann sind wir dann in so ein Sammellager gekommen und wir mussten dann in einen Zug, sind wir so in so Wagons einge… rein getrieben worden und dann wir wussten überhaupt net wo’s hin ging und was überhaupt mit uns passiert. Und wir waren mit acht Familien in ein so Wagon und ham sich ja untereinander net gekannt, also musste jeder aufpassen auf sein bisschen was er hatte aufzupassen das nichts weg kam.
Jacqueline: Ja, auf sein Hab und Gut.
Margit: (Mhhm) Und, dann sind wir nach Frankfurt an der Oder, also sind alle so vier fünf Stunden is‘ hat der Zug mal kurz angehalten und dann mussten die Männer nach (eh) links und die Frauen nach rechts ihr Geschäft machen und dann ging’s wieder rein und am Bahnhof von wo wir ankamen und da (eh) gab’s dann so ’ne Suppe und konnste dann mit deinem Becher oder was de hattst, (eh) haste da so einen Schepper reingekriegt und das war dann alles, ein Stück trocken Brot dazu.
Jacqueline: Und Wassersuppe, quasi.
Margit: Wassersuppe so ungefähr. Und dann sind wir nach Frankfurt an der Oder und da wussten wir net wo wir überhaupt waren und dann sind wir dann wieder in den Zug rein und dann ist der Zug wieder los gefahren und wir sind dann (eh) gelandet in Weilmünster im Lager. Ich hab‘ noch’n Bild das kann ich dir zeigen und (eh) dann sind die Leute ausgeschwärmt ins nächste Dorf, Ernsthausen und Laimbach, Bermbach hier und (eh) naja, dann sind wir hier oben in so’ne Baracke gekommen, da waren keine Fenster drinnen.
Jacqueline: Waren das dann so ähnliche Baracken, einfach nur so wie alte Pferdeställe umgebaut?
Margit: Ne ne, das war (eh), glaube ich hab, kannst ja ausschalten.
Jacqueline: Das läuft ja so nebenbei mit. Das kann ich mir ja dann später auch abfotografieren für die Mappe.
Margit: Sind wir dann hier in ’ne Barack. Guck, das war beim Wasserbaseng. Weiß nicht, ob ich das hier dabei hab. Guck das war deine Uroma.
Jacqueline: Die Berta.
Margit: (Mhhm) Hier hab ich’s.
Jacqueline: Aso, ja.
Margit: Guck das ist die Baracke gewesen was da oben. Da. Wir ham hier oben gewohnt, aber (eh) nach hinten.
Jacqueline: Auf der Seite, aber hinten?
Margit: Nach nach’m Wald zu und dann ham wir, wie wir dann hier in Bermbach dann war’n, nach längerer hin und her Fahrerei (eh) mussten wir hier oben dann in die Barack und wir sind dann aufgeteilt worden in (eh) zu den Bauern. Und wir sind zu Lena Hat und Heinrich Hat gekomme‘ (eh). Sie waren sehr gute Leut‘, also die liegt glaube in Laimbach ist sie beerdigt. Er ist, war hier oben beerdigt. Und er war auch im Krieg und hatte die Ohren (eh)…
Jacqueline: ..abgemacht bekommen?
Margit: Ne,…
Jacqueline: Oder..
Margit: ..verfroren.
Jacqueline: Aso.
Margit: (Mhhm) und er wusste wie das ist, denn wir haben ja gefroren und im Zug hat’s ja auch gezogen und wenig esse gab’s dann, da gab es dann erst (eh) hier, wo jetzt die Wirtschaft ist.
Jacqueline: Wo Hambachs…
Margit: …Hambachs wohnen, da (eh) in dem Saal waren wir erst und ist das alles ausgebautbar da oben und dann sind wir da hoch gekommen und wir waren immer (eh) bei den Bauern und da ham wir dann müsse arbeite, da sind wir, ich war dann in der Schul‘ und wenn ich aus der Schul‘ kam, musst ich da unten hin, da hat die schon gekocht für mich mit und da ham wir dann Mittag gegessen und dann sind wir dann aufs Feld und dann mussten wir entweder Kartoffeln ausmachen oder (eh) dann mussten wir schon lese, da warn wir ungefähr so 10/11 Jahre alt.
Jacqueline: Soweit ich weiß, als ihr hier rüber gekommen ward, warst du drei und der Opa sechs.
Margit: (Mhhm) Genau. Und da haben wir hier, die Jahr, die Volksschule besucht, da unten wo jetzt das Dorfgemeinschaftshaus ist.
Jacqueline: Ja, die alte Schule.
Margit: (Mhhm) Und muss das ja dann nachher bisschen so wie das dann war. Aufjedenfall (eh) das brauchen wir net mehr, gell. Und viele die was ja jetzt rüber kommen, also..
Jacqueline: ..heutzutage
Margit: Ja die, die jetzt kommen, die Flüchtlinge, das sind ja größtenteils, weil sie meinen hier in Deutschland ginge es ihnen besser.
Jacqueline: Ja, die Wirtschaftsflüchtlinge.
Margit: Ja. Und bei uns war das ja, wir mussten ja da weg und wir waren dann lang da oben, der Opa ist ‚uf die Grub gegangen. Wir waren beim Bauern und haben da mit geholfen und da haben wir dann, wenn die Geschlachtet ham, Wurst gekriegt und Zeug und die ham auch für’n Winter die Kartoffel, das ham wir all von dene gekriegt, haben auch Getreide gekriegt, für Mehl zu mahle lasse. Also, die haben uns sehr unterstützt und ham auch immer uf’n Feld so’n Stück gehabt (eh) wo wir (eh) Kraut, Möhren und so…
Jacqueline: Selbst anpflanzen konnte?
Margit: Hin ja hinsetzten konnten und sie haben dann auch noch’n bisschen weiter auch Salat und Zeug und dann später ham wir in Grund unten, Flüchtlingsgärten haben wir das genannt, hat jeder so ein Stück Garten gekriegt und da konnt‘ man auch anpflanzen so Zeug. Wir mussten nur Obacht passen, da waren auch Einheimische, die ham dann das Zeug was wir angeseht ham oder…
Jacqueline: …genommen.
Margit: Ja, mitgenommen gell. Und naja auf jeden Fall, dann ham wir ange…, dann hat der Opa [ihr Vater] und die Oma [ihre Mutter] angefangen zu bauen [Gartenstraße 6] und ham da das, ich hab doch irgendwo ein Bild, der das ist das, wo ihr jetzt drin wohnt.
Jacqueline: Gott, das sieht damals noch so anders aus.
Margit: Ja, da war’s ja noch nicht verputzt und noch nix. Irgendwo anderster habe ich auch noch so’n Bild.
Jacqueline: Und selbst hier vorne alles.
Margit: Hier guck, da warn noch keine Fenster. Das war ein Pflaumenbaum, der hat so dicke Pflaumen gehabt, der ist dann eines schönes Tages umgekippt.
Jacqueline: Deswegen steht er auch nicht mehr.
Margit: Da war ja auch noch kein Zaun und nix. Kannst ruhig mitnehmen, dann kannste ’se..
Jacqueline: Kann ich sie einscannen.
Margit: (Mhm) Ja ja. Und kannst ja wie’s heut aussieht gell.
Jacqueline: Unterschied.
Margit: Mhm?
Jacqueline: Ein Unterschied.
Margit: Eija sicher. Wir warn ja mit unten. Hier das Haus [Gartenstraße 12] hier, das stand schon. Ne, da drüben das stand schon. Hier, das hier ist dann später angebaut worden. Von da bis dahin. War ja das Treppenhaus net so, das ging ja auf der anderen Seite hoch und wir ham dann unten einen großen Garten gemacht und der Opa hat dann so’n kleinen Schweinestall gebaut.
Jacqueline: Also, hier in dem?
Margit: Da oben.
Jacqueline: Bei uns?
Margit: (Mhhm) Da stand der Schuppen noch net.
Jacqueline: Achja.
Margit: Das war ja früher alles mit Brettern gemacht. Musst ja erst das Haus fertig gemacht werden und dann hatten wir Ziegen. Guck, da ist die Oma [ihre Mutter] mit ’ner Ziege.
Jacqueline: Süß.
Margit: Hier das ist vom Opa [ihr Vater], von meinem Vater.
Jacqueline: Der Papa ?
Margit: Die Mutter.
Jacqueline: Aso.
Margit: Das war eine Tschechin. Du musst net schon wieder raus [Bezogen auf ihren Hund Fee].
Jacqueline: Aso, ja gut, das ist dann wahrscheinlich auch [Bezieht sich auf die Rückseite des Bildes].
Margit: Was?
Jacqueline: Tschechisch.
Margit: Ja ja. Und auf jeden Fall, sind wir dann neun ähh ne 56, 1956 sind wir dann da oben eingezogen.
Jacqueline: Und später dann nach Weilmünster?
Margit: Ja, wir sind nach Weilmünster dann, weil der Opa [ihr Mann] da Arbeit gekriegt hat und wir brauchen kein Krieg mehr. Gell.
Jacqueline: Weil die Zweite hast du ja gerade quasi mit geantwortet, die Dritte auch.
Margit: Was war dann?
Jacqueline: Wie war damals die Zeit, so allgemein?
Margit: Sehr schlecht, es hat ja kein Geld gegeben, hast ja nur so was du getauscht hast, gell und da ist selbst Schafwolle gesponnen worden und davon sind Pullover und Zeug, net so wie heut‘ hier.
Jacqueline: Ja.
Margit: Gell, und da hat einer von dem anderen dann das Zeug angezogen, da gab’s net für jeden neues, gell. Da hat einer vom anderen dann das Zeug angezogen bis dann net mehr ging und wenn’s dann noch gut war und Dings und hast Verwandtschaft oder Bekanntschaft ist das dann weiter gegeben worden. Ich bin in die Schule gegangen hier mit einer so wie es jetzt von der Apotheke gibt, mit so ’ner Tasch‘ und einer vom Schiefer, was ich..
Jacqueline: …so ’ne Schiefertafel?
Margit: Keine Schiefertafel. Nur einfach ’ne Schiefer und da hat der Opa [ihr Vater] ein Loch durch gebohrt und da ist so vom Schwamm, so ein kleiner abgemacht worden, der ist dann fest durch gestochen worden an der langen Schnur und wie so’n Topflappen jetzt ist, gell, da für zum trocken reiben.
Jacqueline: Also selbst gemachte?
Margit: Ja. Und (äh) ganz am Anfang, hat der Opa [ihr Vater] was von der Schiefertafel runterge (äh), also abgefallen ist, da hat er einen Stift gemacht, hat er vorne angespitzt, dass man da schreibe konnt‘. Und nachher hat’s ja wie so Bleistifte gegeben mit einer weißen Miene.
Jacqueline: Kreidestifte quasi? Weiß wie Kreide.
Margit: Ja, so ähnlich aber wie’n Bleistift. Da war schon Holz außen rum.
Jacqueline: So. Denkst du manchmal heutzutage an diese Zeit zurück?
Margit: Ja, wenn ich so die Bilder sehe und das Zeug dann. Ja, wir hatten ja noch Verwandtschaft in der Tschechei und wir waren ja auch schon zweimal da. Einmal, waren wir alleine da und das zweite Mal war die Oma mit. Das sind wir alle so abgefahren, da waren keine Häuser mehr da, der Friedhof, der war hier net so wie der hier, da waren einfach so (ähh).
Jacqueline: Steine?
Margit: Steine außen rum und Kies- oder Holzdinger drauf. Also (eh) waren ganz alte Gräber und da hat man von ihr noch das Grab gesehen und von, ist gar nicht mehr da das Bild. Vom Opa [ihr Opa] die Schwester und der Mann das Grab, dass war noch da, das konnste noch sehen. Da waren morz große Äste da, das war net mehr schön. Und auf einem Friedhof waren wir, da wo der Opa [ihr Opa], er ist, da ist, da ham’se drin gegrillt in der Leichenhalle und da waren Sprüche an der Wand und Dings und da waren, die Gräber waren schon alle ziemlich verwildert und da haste gesehen das, wo noch Leut‘, die was einmal besucht ham oder so, dass sie mal sauber gemacht haben und Dings, aber (eh) sonst ist es sehr runter gekommen gewesen. Und immer wenn wir da hingekommen sind (äh) und, da wo wir gewohnt haben in dem Haus dann, da haben die die Vorhänge schnell mal durch geguckt und wieder zugemacht, dass man sie net gesehen hat. Denn die haben Angst gehabt, wir wollten das wieder haben, weißte. Aber es will ja keiner mehr dahin.
Jacqueline: Ja. Würdest du heutzutage nochmal in dieses Land gehen bzw. zur Heimatstadt?
Margit: Wir waren ja schonmal da.
Jacqueline: Aber ab jetzt.
Margit: Ne, ne mit Sicherheit net, mit Sicherheit net, weil (eh), da gibt’s ja auch keine Arbeit.
Jacqueline: Ich meine ja nur so zum besuchen.
Margit: Ja, da waren wir ja zweimal da. Einmal waren wir alleine, da hatten wir den Freedie noch und da sind wir runter gelaufen, hatten unten das Wohnmobil stehen. Wir sind dann da runter gelaufen und, der riecht da irgendwas wahrscheinlich Fee [ihr Hund], und auf jeden Fall lief da hinterm Zaun auch ein Rehpinscher. Der Freedie, der Fips war ja kleiner, net der Freedie und der war auch so und ich hab‘ den dann gelockt, da kam er und der Mann der was da drin war, das war auch ein Deutscher der hat nur eine Tschechische Frau gehabt und der hat gemeint, ich wollt‘ den Hund mitnehmen. Da kam er dann raus und da habe ich gesagt, ne ne ich will doch nur, das war ein Weibchen, ich will den net mitnehmen. Und da ham ’se uns eingeladen zum Kaffe trinken und da habe ich gesagt, sie sollten einen Moment warten, da bin ich ins Wohnmobil und hab‘ Paketkaffe geholt und ich hatte auch Kekse mit, die habe ich dann mitgenommen hoch. Das wollten sie erst gar net annehmen, gell. Also, und da habe ich gesagt sie könnten es ruhig annehmen und ich hätt‘ noch
genug, also wird für uns langen.
Jacqueline: Wie findest du das Leben innerhalb Deutschland?
Margit: (Ähm) Normal, besser wie da zu der Zeit, als wir nun ja, jetzt sind wir Rentner und wir müsse erstmal abwarten wie es euch geht.
Jacqueline: Ja.
Margit: Gell. Ja, das ist es ja.
Jacqueline: Was hast du aus der damaligen Zeit für Heute gelernt?
Margit: Sparsam zu sein.
Jacqueline: Also mit den Mitteln quasi?
Margit: Ja, mit den Mitteln (äh). Was man sich beschaffen hat, dass man das viel mehr ehrt und nun ja sparsam sein, gell. Was man sich erarbeitet hat.
Jacqueline: Wie stellst du dir deine Zukunft vor?
Margit: Gesund bleiben.
Jacqueline: Was für Erfahrungen nimmst du in die Zukunft mit?
Margit: Eija, was nimmt man mit, dass was man sich (eh) geschaffen ham, das so zu erhalten wie’s is‘.
Jacqueline: Denkst du, ob es nochmal einen neuen Krieg geben wird in der Zukunft und warum?
Margit: Wir brauchen keinen Krieg, wir können höchstens so, wenn wir den Trump behalten, wenn wir die, das hier nach Deutschland kriegen würden, dass wäre schlecht.
Jacqueline: Ja, definitiv.
Margit: Gell.
Jacqueline: Das wär auch nicht…
Margit: Ich verstehe den Mann net.
Jacqueline: Ich auch nicht. Aber Hillary hatte mehr Stimmen, aber Trump hatte mehr Wahlmänner, demnach wurde er gewählt.
Margit: Ja, und wie viel hat er denn schon wieder Heim geschickt. Ich hab‘ gesagt wenn er so weiter macht und da hat er zum Schluss überhaupt keine mehr.
Jacqueline: Ja. Hast du noch Ziele für die Zukunft?
Margit: Was für Ziele? Das wir Gesund bleiben und das wir noch Reisen können.
Jacqueline: Wie haben sich die Leute drumherum verhalten, also damals?
Margit: Wie wir hier nach Bermbach gekommen sind, in Weilmünster haben wir das ja nicht so mitgekriegt. Aber hier, wie wir nach Bermbach gekommen sind, haben ’se gesagt die Zigeuner kommen.
Jacqueline: Aber ihr wart ja keine Zigeuner.
Margit: Ne, wir waren keine, aber die wusstens net anderster, weil ja so viel (äh) Menschen hier gelebt ham in dem Bermbach, die was noch net mal in Laimbach waren.
Jacqueline: Also, damals hatte Bermbach mehr Einwohner als Laimbach?
Margit: Ne, weniger. Das sind ja jetzt viel mehr dazu gekommen, ganz hinten das Vilchen [Neubaugebiet].
Jacqueline: Ich weiß, früher war da noch Feld.
Margit: Da war noch Feld, ja. Und die da, wo bei dene‘ Bauern was wir, wo wir waren, die waren einwandfrei und der Opa der musste, naja die kennste net, die was jetzt ausgesiedelt sind, die hatten hier vorne wo die Bushaltestelle ist, da war noch ein Hof.
Jacqueline: Gegenüber das gelbe Haus?
Margit: Ne, die Bushaltestelle ist jetzt hier gebaut worden und da war noch ein Hof unter dem alten Haus von Schneiders [Haus steht unter Denkmalschutz].
Jacqueline: Ja.
Margit: Da, auf dem Stück war ein Bauernhof. Die sind ja jetzt ausgewandert da oben hin, der Aussiedlerhof. Und da musste der Opa mal hin, der ist ja erst gerufen worden zum Essen, wie die anderen alle satt waren, da war nichts mehr da. Dann ging er mit hungrigen Magen heim. Das war bei uns da unten bei Hat’s net so, die ham immer noch Zeug mitgegeben, die ham immer gesehen das wir was zu esse hatte uns ging’s also, wir ham’s gut getroffen.
Jacqueline: Also, ihr habt deine Familie und vom Opa die Familie waren so getrennt auf Bauernhöfen?
Margit: Jaja. Der Opa hat ja ganz wo anderster gewohnt.
Jacqueline: Ich dachte ihr wärt zusammen irgendwie halt…
Margit: Nene, der Opa der hat ja. Wir ham in Mühlessen, bei Egers gewohnt, das (ähh) hat, heißt jetzt Chep, gell.
Jacqueline: Chep.
Margit: Chep heißt Eger.
Jacqueline: Keine Ahnunng.
[Ab da an, gab es keine Gesprächsinhalte mehr die zum Interview gehören, da meine Oma von der Frage weg Sachen erzählt und mir auch Bilder gezeigt hat.]
(Quelle: 10, 11)






























